Interview: Als Patientin im Zentrum für Reflux- und Zwerchfellchirurgie

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Interview: Als Patientin im Zentrum für Reflux- und Zwerchfellchirurgie
v.l.n.r.: MUDr. Lorenz Barrosa da Fanseca (Oberarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Tumorchirurgie), Katrin Baumgart (Teamleiterin Ambulanzen), Timandra Scheer, David Meinecke (Krankenpflegehelfer Ambulanz), Dr. med. (Univ. Pécs) Viktor Nagy (Oberarzt der Klinik für Allgemein-, Viszeral- und Tumorchirurgie)

Timandra Scheer litt an einem Zwerchfellbruch, der zu einer Verlagerung des Magens führte, und kam mit erheblichen Beschwerden ins Christliche Klinikum Halle am Standort St. Elisabeth. Als Patientin des Zentrums für Reflux- und Zwerchfellchirurgie unter der Leitung von Dr. Viktor Nagy hat sie erlebt, wie moderne Medizin und spezialisierte Teams mit diesem und ähnlichen Krankheitsbildern umzugehen wissen. 

Im Gespräch mit der Unternehmenskommunikation erzählt die gebürtige Hallenserin von ihrer Zeit als Patientin. 

Hallo Frau Scheer. Danke, dass Sie Ihre persönliche Geschichte mit uns teilen. Wie hat sich Ihr gesundheitliches Problem damals angekündigt?
Der 10. Januar 2024 war ein ganz normaler Arbeitstag. Ich habe gemeinsam mit Kolleginnen und Kollegen im Büro zu Mittag gegessen. Als ein Kollege etwas Lustiges erzählt hat, musste ich lachen und habe mich dabei verschluckt. Kurz darauf habe ich gemerkt, dass es mir nicht so gut geht. Plötzlich hatte ich erhebliche Atembeschwerden und innerhalb von zehn Minuten hat sich mein Zustand so sehr verschlechtert, dass ich mich hinlegen musste. Es ging mir dann von Minute zu Minute schlechter. Ich habe kaum Luft bekommen, mir war übel und ein Herzrasen hat eingesetzt.   

Was haben Sie in diesen Momenten gedacht?
Ich bin eigentlich nicht so schnell aus der Bahn zu werfen. Mein erster Gedanke war, eine gute Freundin anzurufen, die Krankenschwester ist und ihren Rat einzuholen. Als sie jedoch meine Schilderung gehört hat, hat sie mich dringend gebeten, umgehend den Rettungswagen rufen zu lassen. Das ist dann auch passiert.

Zu welcher Diagnose sind die Notfallmediziner gekommen?
Im ersten Schritt habe ich mit dem Notarzt telefoniert und ihm meine Beschwerden geschildert. Eine erste Aussage lautete Verdacht auf Herzinfarkt, wohl aufgrund sehr ähnlicher Symptome. Da es mir zu diesem Zeitpunkt sehr schlecht ging, erinnere ich mich nicht genau an den Gesprächsverlauf. Auf jeden Fall war der Rettungswagen dann schnell da. Wie man mir später sagte, hat man auch einen Hubschraubereinsatz in Erwägung gezogen.

Und dann sind Sie am Krankenhausstandort St. Elisabeth eingeliefert worden.
Richtig. Ich wurde in die Zentrale Notaufnahme des „EK“ gebracht. Dort war bereits alles vorbereitet. Ich erinnere mich daran, dass viele Leute vom medizinischen Personal um mich herum waren und alle konzentriert und Hand in Hand arbeiteten. Ein Herzinfarkt konnte relativ schnell ausgeschlossen werden, so viel habe ich noch mitbekommen. Unter anderem hat eine Ärztin eine Ultraschalluntersuchung durchgeführt, es wurde eine Magensonde gelegt und ich bin sofort ins CT gekommen. Alles lag auch räumlich nah beieinander und so ist es zu keiner Verzögerung gekommen. Dass man mir mit so viel professioneller Ruhe und Verständnis begegnet ist, hat sehr gutgetan. Schließlich war dies – so viel kann ich heute sagen – eindeutig der schlimmste Tag in meinem Leben. 

Wie ist es bei uns im Haus dann weitergegangen?
Eine Ärztin hat sich bemüht, mir das medizinische Problem möglichst verständlich zu erklären. Mein Magen sei nicht ganz dort, wo er eigentlich hingehört. So wurde ich dann stationär aufgenommen, habe Medikamente bekommen und am folgenden Tag wurde eine Magenspiegelung durchgeführt. Herr Dr. Nagy war es dann, der mich über die vollständige Diagnose aufklärte: Ich hatte einen Zwerchfellbruch – und zwar einen ziemlich großen. Dazu sind noch drei Magengeschwüre festgestellt worden. 

Wie kann man sich das laienverständlich vorstellen?
Einfach gesagt war der Magen durch diesen Gewebebruch so weit hochgerutscht, dass er im Prinzip auf die Lunge gedrückt hat. Daher auch die starken Atembeschwerden. An dieser Stelle muss ich erwähnen, dass ich bereits ein halbes Jahr zuvor immer wieder Beschwerden hatte, die ich aber nicht weiter ernst genommen habe. Zum Beispiel Atemnot beim Treppensteigen, was ich aber auf Lücken im sportlichen Training geschoben habe. Auch die wiederkehrenden Magenbeschwerden in den Monaten vor dem Notfall habe ich verdrängt und versucht, sie mir mit Stress auf der Arbeit zu erklären. Ich war gewissermaßen eine Meisterin im Verdrängen. (lacht)

Mit dieser eindeutigen Diagnose waren Sie also Patientin in unserem Zentrum für Reflux- und Zwerchfellchirurgie.
Genau. Herr Dr. Nagy informierte mich, dass die notwendige OP erst dann stattfinden sollte, wenn die Entzündung im Bauchraum zurückgegangen sei. Ich wurde also medikamentös eingestellt und habe ausführliche Hinweise zum richtigen Essen und Trinken bis zum OP-Termin bekommen. Insgesamt hat dieser erste stationäre Aufenthalt von Mittwoch bis Samstag gedauert. In den Tagen darauf habe ich auf Veranlassung der behandelnden Ärzte im EK eine weitere Magenspiegelung in einer gastroenterologischen Praxis durchführen lassen. 

Wann war die OP und wie haben Sie diese erlebt?
Die OP war Mitte März 2024. Als klar war, dass die Entzündung weitestgehend abgeklungen ist, bin ich wieder im EK stationär aufgenommen worden. Herr Dr. Nagy hat mir anschaulich erklärt, mit welcher Methode man den Bruch versorgen würde. Simpel formuliert wurde der Magen wieder an seine Stelle gebracht, die verdrehte Speiseröhre gerichtet und der Bruch wurde mit einem speziellen Kunststoffnetz versorgt. Dies sei von so guter Qualität, dass es dauerhaft im Körper verbleiben kann. Für relativ junge Patienten – ich war ja in meinen Vierzigern – sei dies eine bewährte und langfristige Lösung. Der gesamte Eingriff wurde übrigens mit der sogenannten Schlüssellochtechnik und nicht als offene OP durchgeführt. Für den Patienten ist das schonender. Schließlich bin ich in die Radiologie gekommen und es wurde alles noch einmal genau untersucht.

Kann man eigentlich erklären, wie es zu dem Bruch gekommen ist?
Die Mediziner haben da abhängig vom jeweiligen Fall verschiedene Theorien. Bei mir war es wohl so, dass schon ein kleiner Bruch vorhanden war und ich dann zum Beispiel durch schweres Heben oder auch beim Sport die Sache begünstigt habe. Zu Silvester 2023/2024 hatte ich Corona und deshalb viel gehustet. Auch das hat wohl dazu beigetragen, die Situation schlimmer zu machen. 

Wie lange hat es nach der OP gedauert, bis Sie sich wieder gesund gefühlt haben?
Ich war relativ zügig wieder fit. Dienstag war die OP und Samstag durfte ich nach Hause. Im Krankenhaus konnte ich bereits am Donnerstag wieder aufstehen und auch laufen. Ich habe sogar zwei Mitpatienten im Zimmer, denen es deutlich schlechter ging als mir, etwas unterhalten und mit Tee versorgen können. (lacht) In der ersten Zeit nach der OP hat es schon noch etwas „gezwickt“ und für vier Wochen war ich krankgeschrieben. Das Störgefühl wurde dann aber von Monat zu Monat weniger. Nach einem halben Jahr habe ich die Folgen des Zwerchfellbruchs und des Eingriffs quasi nicht mehr gespürt. Auch die kleinen Narben sind gut verheilt. 

Hat sich in Ihrem heutigen Alltag etwas für Sie verändert?
Zu scharfes Essen mag mein Magen nicht mehr so gerne. Auch mit kohlensäurehaltigen Getränken bin ich zurückhaltender geworden. Insbesondere im Jahresverlauf 2025 habe ich gemerkt, dass ich nach dem Essen oder Trinken gelegentlich aufstoßen musste. 
Das – so hatte es mir Herr Dr. Nagy erklärt – sei aber nicht ungewöhnlich. Glücklicherweise kommt dies mittlerweile kaum noch vor.

Die Behandlung ist also abgeschlossen? 
Es hat natürlich einige Kontrolltermine im EK gegeben. Der nächste Termin wird nun aber erst wieder in vier oder fünf Jahren sein. Ein interessanter Umstand ist übrigens, dass auch meine Mutter einen Zwerchfellbruch erlitten hat. Bei ihr war es ein Zufallsbefund ohne vorherige Symptome. Auch sie hat sich dem Team um Dr. Nagy anvertraut.

Wenn Sie heute an Ihren Aufenthalt bei uns zurückdenken – was bleibt Ihnen in Erinnerung?
In besonders guter Erinnerung ist mir, wie das ärztliche und pflegerische Personal mit mir umgegangen ist. Das fing schon in der Zentralen Notaufnahme an. Ohne das bestimmte, aber auch verständnisvolle Auftreten der behandelnden Ärztin hätte ich das Legen der Magensonde in dieser Situation viel weniger gut verkraftet. Mein größter Dank geht aber an Herrn Dr. Nagy und sein Team. Ich bin davon überzeugt, dass spezialisierte Zentren den Patienten am besten helfen können. Im „EK“, das ja nun Christliches Klinikum Halle heißt, habe ich eine selbstverständliche Nähe zu den Patienten und viel Aufmerksamkeit erlebt. Allen Mitarbeitenden vom Krankenhauspersonal, die an diesen schweren Tagen für mich da waren, möchte ich von ganzem Herzen danken. 

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